Herzöffnung Vorherige Leben

Als du die nächste Ebene erreichst, ist es schon fast dunkel. Im Dämmerlicht betrachtest du diesen Bereich des Gartens. Er hat etwas mystisches, zauberhaftes, und fast automatisch läufst du in den hinteren Teil, wo du eine Feuerstelle wahrgenommen hast. Rund um die Feuerstelle, in der sich gerade ganz von alleine ein wohliges Feuer wie von Zauberhand entzündet, liegen grosse, zum darauf sitzen perfekt geformte Baumstämme. Du setzt dich auf einen davon und blickst in das Feuer, das deine Aufmerksamkeit auf magische Weise fesselt.

Je länger du in das Feuer siehst, desto stiller wirst du und desto mehr öffnet sich dein Geist. Nach einer Weile bist du einfach nur noch da, du denkst nicht mehr, bist aber vollkommen präsent. Der Tanz der Flammen verzaubert dich, und während du das Feuer beobachtest, kommen - wie aus der tiefsten Tiefe deines Seins - Informationen an die Oberfläche deines Bewusstseins. Du hakst nicht nach, lässt einfach kommen, was sich zeigen möchte. Und es zeigt sich.

Das erste Bild, das aus dem Feuer - oder deinem Geist? - in deinem Bewusstsein erscheint, ist das Bild eines Indianers. Auch er sitzt an einem Feuer, und du weisst: Dieser Indianer bist du. Du hältst Nachtwache für deinen Stamm, und während du dort sitzt, in das Feuer schaust und dich über den Streit ärgerst, der zuvor herrschte und den ganzen Stamm in Aufruhr versetzte, hörst du hinter dir ein leises Geräusch. Alle Nerven plötzlich angespannt willst du dich vorsichtig aber schnell umdrehen - doch dazu kommt es nicht mehr. Ein lauter Knall hallt durch die Nacht und dich durchfährt für den Bruchteil einer Sekunde ein rasender Schmerz im Rücken auf Höhe deiner Brust. Du siehst, wie der Indianer zusammensackt, hörst plötzlich von überall her das ohrenbetäubende Feuer unzähliger Gewehre. Brennende Fackeln fliegen durch die Luft, die Zelte brennen, und innerhalb weniger Minuten ist der beängstigende Spuk vorbei. Das kleine Dorf ist ausgerottet, alle Stammesangehörigen getötet, alles ist verbrannt.

Nun nimmst du dich wieder im jetzigen Moment war, wie du hier vor dem Feuer sitzt. Der Schreck, die Angst, sitzt dir noch im Nacken, aber um dich herum ist vollkommene Stille. Das Feuer vor dir beruhigt die aufgewühlten Emotionen schnell. Du weisst noch gar nicht, was du von diesen Bildern halten sollst, als schon das nächste Bild in dir hochkommt.

Es ist heller Sonnenschein. Die Luft ist ungemein klar, die Farben sind viel intensiver, als du es gewohnt bist. Du befindest dich auf einer weiten Hochebene. In der Ferne siehst du einen riesigen klaren und strahlend leuchtenden Kristall. Mächtig thront er inmitten der weiten Ebene, und du läufst auf ihn zu. Von überall her scheinen die Menschen zu kommen, und alle bewegen sich in Richtung des Kristalls. Du spürst Freude und Leichtigkeit. Die Menschen lachen, alle gehen beschwingt und in froher Erwartung dem grossen Tag entgegen. Du weisst, es geht um die Sonne. Um die Ehrung und Achtung ihres Bewusstseins, ihrer Intelligenz, ihrer Liebe. Die Sonnenfeier, die zwei mal im Jahr abgehalten wird, zieht Bewohner des Landes von Nah und Fern an. Alle wollen miterleben, wie sich die Energie des Kristalls auflädt, mit der Sonne verbindet, wenn diese an ihrem höchsten Punkt steht. Einen derartigen Frieden, eine so grosse Freude und diese tiefe und dich von oben bis unten überschwemmende Liebe hast du noch nie verspürt.

Auch dieses Bild ist so plötzlich wieder verschwunden, wie es gekommen ist. Dafür wird es dieses mal direkt ersetzt. Die Szene ist nun eine völlig andere. Du befindest dich in einem Tempel. Der Raum ist gross, die Wände schimmern leicht bläulich, und eine grosse milchige Kugel, die unter der Decke zu schweben scheint, strahlt ein warmes und sehr angenehmes Licht aus. Die heilig wirkende Atmosphäre in diesem Tempelraum wird durch eine aufgeregte und scheinbar sehr wütende Diskussion unterbrochen. Du bist eine Priesterin, die ihr Gegenüber, ebenfalls eine Priesterin, wütend anschreit. Warum hast du uns verraten?, hörst du dich schreien, als plötzlich das Chaos im Tempel ausbricht. Säulen stürzen ein, ein ohrenbetäubender Lärm, wie von springendem Glas und zerberstenden Felsen erfüllt den Raum. Überall ist Feuer, die Wände stürzen ein. Es ist ein Bild der absoluten Zerstörung. Beide Priesterinnen liegen - getroffen von herabstürzenden Wänden und umherfliegenden Steinen tot auf dem Boden.

Das Bild verblasst, und du nimmst wieder das Feuer wahr. Du bist auf einen Schlag so müde, dass du nur noch schlafen möchtest, dich einfach hinter dem Holzblock, auf dem du gesessen hast, ins weiche Gras legst und direkt in einen tiefen Schlaf fällst.

Anmerkung

Wenn du bereit bist, dein Herz zu öffnen und nicht immer nur den gewohnten Gedanken des Alltags zu folgen, sondern deine innere Stimme zuzulassen, wirst du irgendwann tatsächlich Informationen erhalten, die dir Bilder aus vergangenen Leben zeigen. Dies ist nicht das erste Leben, das du auf der Erde verbringst. Im Normalfall können diese Informationen jedoch nicht zu dir durchdringen, da sie vom gewohnten Denken und dem ständigen Geplapper deines Verstandes übertönt werden. Aber je öfter und je regelmässiger du dich der Stille zuwendest und somit leeren Raum in dir schaffst, desto mehr Bilder wirst du erhalten. Du wirst dich Stück für Stück erinnern, wer du warst, was für Leben du geführt und welche Rollen du gespielt hast. Alles ist in der Akasha, der Bibliothek des Lebens, gespeichert. Das Erinnern ist jedoch Nichts, was du krampfhaft und rein willentlich erzeugen kannst. Du musst dich öffnen, es zulassen, dass sich deine Erinnerungen und dein altes Wissen an der Oberfläche deines Bewusstseins zeigen. Darum darfst du einfach bitten. Eine andere oder ergänzende Möglichkeit ist die Meditation. Schaffe Raum in dir und finde die Leere, die Alles enthält. Aus der darin enthaltenen Stille kannst du auch Zugriff auf das erlangen, was bisher im Verborgenen lag.

Am nächsten Morgen wirst du durch die ersten warmen Sonnenstrahlen geweckt, die dir direkt ins Gesicht scheinen.  Das Feuer ist erloschen und verglüht, und sogar die Asche ist schon abgekühlt. Du schaust dich um und siehst, dass rund um die Feuerstelle herum viele verschiedene Obstbäume stehen, voll mit wundervollen Früchten. Da du Hunger hast, pflückst du ein paar Äpfel, Birnen und Pfirsiche, die du genüsslich verspeist. Dann gehst du zur Feuerstelle, nimmst etwas Asche und verteilst sie unter den Bäumen, um sie ein wenig zu düngen. Frisch gestärkt und nun auch wieder zuversichtlich machst du dich auf den Weg.