Erdgeschoss Der Weckruf

Das Leben in der heutigen Welt nimmt gewöhnlich seinen ganz normalen Verlauf im Erdgeschoss des Haus des Erwachens. Du wirst geboren, entdeckst dich und das Leben, wächst in diesen oder jenen Verhältnissen auf und lernst. Du lernst, wer du bist, in welcher Welt du lebst und wie diese Welt funktioniert. Dann gewöhnst du dich daran, dass die Welt so ist, wie dir gesagt wurde: Sie ist halt, wie sie ist. Du lernst, wie du sein sollst, damit du geliebt und akzeptiert wirst und gewöhnst dich daran, so zu sein, wie du gelernt hast, dass es für dich das Beste sei.

Es dauert nicht allzu lange, und du steckst in einem von der Allgemeinheit akzeptierten und somit als normal betrachteten Weltbild fest, ohne es zu merken. Du glaubst, ein vergänglicher und empfindsamer Körper zu sein, der leicht krank werden kann und irgendwann stirbt. Du definierst dich als Ich, und dieses Ich kann alles verlieren, muss aber auch alles geben, um Anerkennung, Liebe und Wertschätzung zu erhalten. Und vor allem musst du ständig um dein Überleben kämpfen, denn die Welt ist gefährlich, gemein und hart - und letztendlich bist du immer der Schwächere, wenn du dich nicht wehrst, wenn du dich nicht grösser machst, als du dich eigentlich fühlst.

Das gewohnte Leben

Durch diesen Kampf ums Überleben verlierst du im Laufe der Zeit die Freude und Leichtigkeit, die du hattest, als du noch jung warst. Du verlierst deine Zuversicht, dein Vertrauen, deine Gesundheit und deine Kraft. Dein Leben bewegt sich immer mehr in immer geregelteren Bahnen, die schliesslich von der Gesellschaft vorgegeben werden und verliert dadurch den ursprünglichen Reiz des Abenteuers. Du wirst älter, müder und desillusionierter - das zumindest denkst und fühlst du. Dabei versinkst du in Wirklichkeit immer tiefer in Illusionen, Programmen und Mustern, die du aber als unumgängliche Realität kennst und akzeptierst. Du lebst dein Leben so, wie du es gewohnt bist. Dadurch wird es zu einem automatischen, automatisierten, Leben, bestimmt von deinen persönlichen Vorlieben und Abneigungen und meist unbewussten Glaubenssätzen, Gewohnheiten und Pflichten. Dabei bist du - wie alle Anderen auch - ganz normal.

Aber irgendwann, früher oder später, geschieht etwas, das dein Leben radikal verändert. Was auch immer das ist, es führt dazu, dass du in ein tiefes Loch fällst. Die Welt bricht sozusagen über dir zusammen, und du versinkst in einem Strudel negativer Emotionen. Ein grauer Schleier legt sich über die ohnehin schon lange nicht mehr befriedigende Welt, du fühlst dich als Opfer, gedemütigt, hilflos und voller Schmerz. Nun hast du zwei Möglichkeiten: an dir und deinem Weltbild festhalten und einfach aufgeben oder dein gewohntes ICH und dein gewohntes Weltbild loslassen und dich verwandeln, dich also selbst aus dem Sumpf zu erheben.

Wenn du dich für die zweite Variante entscheidest, rappelst du dich auf und findest einen Weg zurück ins Licht. Du arbeitest dich aus dem Schlamassel heraus, findest einen neuen Blickwinkel auf das, was ist. Du lässt neue Perspektiven zu, und durch die andere, neue, Sichtweise veränderst du letztendlich nicht nur dein Umfeld, sondern auch dich. Vielleicht hast du eine schwere Krankheit überwunden oder dich von deinem Partner getrennt, einen Unfall erlitten oder deinen Job verloren. Es kommt immer ein Moment, der ein Zündungsereignis darstellt.

Du warst in einem tiefen Tal, bist nun aber dabei, in der Ferne neue Gipfel zu erblicken, bereit, dir bisher unbekannte Höhen zu erkunden und einen - deinen - Neuanfang zu wagen und durchzuziehen.

Das Leben kehrt zurück

Dieses Zündungsereignis, was auch immer es ist, ist ein Weckruf deiner Seele. Sie teilt dir auf ihre Art mit, dass es einen guten Grund gibt, warum du hier bist, und sie verleitet dich dazu, endlich Kontakt mit ihr aufzunehmen und in dich selbst - dein wahres Selbst - hineinzuwachsen. Das kann auf die harte Tour geschehen oder auf vollkommen sanfte Art. Du wirst es in jedem Fall bemerken - auch, wenn du nicht gleich weisst, was eigentlich gerade mit dir geschieht.

Auf jeden Fall fängst du an, dein Leben, so, wie du es gewohnt warst, zu hinterfragen. Du veränderst deine alten Gewohnheiten, deinen Freundeskreis und vielleicht auch deine Umgebung. Neue Gedanken fallen dir ein und zu, und völlig unbekannte oder längst vergessene Gefühle flammen in dir auf. Du veränderst deine Perspektive und hast das Gefühl, mehr und mehr aus einem langen und tiefen Schlaf zu erwachen. Und das ist genau das, was geschieht: Du erwachst. Du wendest dich der Freude zu, indem du Dinge tust, die dir Freude bereiten. Du wendest dich dem wahren Sinn deines Lebens zu, indem du all das, was keinen Sinn für dich ergeben hat und ergibt, hinterfragst. Du blickst nach vorne, und neuer Mut keimt auf, neue Hoffnung verwandelt die vorher trostlose Welt in ein farbenprächtiges und nun doch wieder verlockendes Spielfeld. Das Leben kehrt in dich und zu dir zurück.

Es kann gut sein, dass du dabei deine alten Freunde verlierst. Vielleicht entfernen sich auch Familienmitglieder von dir. Alles das, was nicht mehr mit deiner Schwingung in Resonanz ist, verschwindet erst aus deinem Fokus und dann aus deinem Leben. Gleichzeitig erneuerst dich und dein Leben. Durch die vielen Fragen nach dem Sinn, die du gestellt hast, öffnest du dich nicht nur für neue Sichtweisen, sondern auch für altes Wissen und echte Spiritualität. Dir fallen plötzlich Bücher in die Hände und Informationen in den Schoss. Du siehst Filme, die deine neuen Sichtweisen bestätigen, wirst durch anregende Erlebnisse und interessante neue Menschen beflügelt, entdeckst etwas im Internet, stellst immer wieder Fragen und empfindest neue und erhebende Gefühle.

Je weiter du auf diesem Pfad der Selbsterkenntnis voranschreitest, desto mehr Türen öffnen sich, und ein Sog entsteht, der dich weiter vorantreibt, meist ohne, dass du weisst, warum das jetzt so ist und wohin die Reise dich führen wird. Dein Geist öffnet sich, und dein Bewusstsein erweitert sich. Dann stehst du vor einem Aufzug und bist bereit. Die Tür öffnet sich, du betrittst den Fahrstuhl, drückst auf den Knopf, neben dem eine 1 steht, und der Weg nach oben beginnt.

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